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PRESSEMITTEILUNG
Diabetes in der Schwangerschaft ist einfach zu behandeln
--Blutzucker-Selbstkontrolle gibt Sicherheit--
Juli 2000. Diabetes in der Schwangerschaft stellt nach wie vor sowohl für das ungeborene Kind als auch für Neugeborene eine Gefahr dar. Wird der Diabetes bei einer Schwangeren zu spät entdeckt oder nicht konsequent genug behandelt, kann dies zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen. Auch Entbindungskomplikationen treten dann häufiger auf. Bei einem von der European Association for the Study of Diabetes (EASD) und der Firma LifeScan ausgerichteten internationalen Symposium zum Thema "Diabetes and Pregnancy" in Lille (Frankreich) wurde gezeigt, dass ungünstige Schwangerschafts-Ergebnisse durchaus vermeidbar sind.
Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt die Diagnose des Schwangerschaftsdiabetes sowie die Vorbeugung von Komplikationen bei Mutter und Kind eines der Hauptprobleme auf diesem Gebiet dar. Eine vorübergehende diabetische Stoffwechsellage tritt zwar bei etwa 5 Prozent aller Frauen in der Schwangerschaft auf, wird aber z.B. in Deutschland nur bei 0,4 % diagnostiziert. Umstritten ist, welche Schwangeren auf Diabetes untersucht werden sollten.
Die amerikanischen und europäischen Experten in Lille plädierten für eine Untersuchung aller Schwangeren auf Diabetes, um auch alle Betroffenen zu entdecken.
Eine große Untersuchung der WHO namens HAPO (Hyperglycemia and Adverse Perinatal Outcome) soll bis ins Jahr 2004 klären, ob es Frauen mit besonderem Risiko für Schwangerschaftsdiabetes gibt. Bisher werden fast nur Verwandte von Diabetikern, Schwangere über 30 Jahren oder Frauen mit Zuckernachweis im Urin auf Diabetes in der Schwangerschaft getestet. Die Diagnose wird durch einen Zuckerbelastungstest gestellt, der mit 75 g Glucose nüchtern in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird. In den meisten Ländern wird ein Suchtest mit 50 g Glucose (nicht nüchtern) vorgeschaltet. Durch eine diabetikergerechte Ernährung, in seltenen Fällen auch durch eine vorübergehende zusätzliche Insulinbehandlung, wird der Stoffwechsel der Schwangeren auf normale Blutzuckerwerte eingestellt. Nach Konsens der Experten in Lille kann durch diese Therapie eine normale Entwicklung des Feten ermöglicht werden.
Vermeidbar ist vor allem die Entwicklung makrosomer Kinder, das sind sehr stark übergewichtige Neugeborene mit unreifen inneren Organen. Nur eine frühzeitige Diagnose des Diabetes im 2. Drittel der Schwangerschaft kann diese Komplikation wirksam verhindern. Makrosome Feten erfordern häufig auch einen Kaiserschnitt bei der Entbindung. Außerdem finden sich bei nicht behandeltem Schwangerschaftsdiabetes öfter Störungen der Lungenreife, neurologische Symptome und vor allem Unterzuckerungen nach der Entbindung. Eine Schwangere mit nicht erkanntem oder schlecht eingestelltem Diabetes gibt vielleicht auch diese Stoffwechselstörung an ihr ungeborenes Kind weiter. Man sollte makrosome Neugeborene ebenso wie Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes auch nach der Entbindung jährlich auf Diabetes untersuchen.
Die sehr einfache Behandlung des Diabetes in der Schwangerschaft setzt eine aktive Mitarbeit der betroffenen Frauen voraus: regelmäßige Untersuchungen beim Gynäkologen und Vorstellungen beim Diabetologen sind erforderlich, um das Risiko für das ungeborene Kind in den Normalbereich zu führen.
Eine wichtige Bedingung beim Schwangerschaftsdiabetes ist die Blutzucker-Selbstmessung. Denn der Blutzucker muss während der gesamten Schwangerschaft regelmäßig kontrolliert und überwacht werden.
Autor: Dr. Jürgen Tamm Diabetologische Schwerpunktpraxis, Osnabrück
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