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Diabetes aktuell / Studie
ZWEITE AUSGABE 2002  Diabetes in Zahlen - eine Reise in die Welt der Statistik
“Diabetes mellitus gehört zu den großen Volkskrankheiten, bei denen wir seit langem wissen, dass Prävention sich lohnt.” (Ulla Schmidt Bundesministerin für Gesundheit, anlässlich des Weltdiabetestages 2001) Was wissen wir über die Verbreitung von Diabetes, dessen Folgeerkrankungen und die dadurch verursachten Kosten? Hierbei kann die Erhebung statistischen Datenmaterials hilfreich sein und weiteres Handeln beeinflussen.
Es gibt bis heute keine absolut sicheren Daten zur Häufigkeit von Diabetes mellitus. Diabetes ist eine Stoffwechselstörung, die nur in der ehemaligen DDR registrierpflichtig war, wodurch dort die Fälle systematisch statistisch erfasst wurden. Die Zahlen, die aus den Jahren von 1960 bis 1989 stammen, sind oft zur prognostischen Hochrechnung verwendet worden. Aus diesem Material war die Häufigkeit von diagnostiziertem Diabetes für Deutschland im Jahr 1989 auf 4,5 Prozent der Bevölkerung (das entspricht einer Anzahl von 3.590.000 Betroffenen) geschätzt worden, wobei die Häufigkeit im Alter bei beiden Geschlechtern stark zunimmt (Abb. 1). Prognosen für die Zukunft gehen von einem Anstieg auf sechs Prozent im Jahr 2005 aus. Auch die WHO (World Health Organisation) und die IDF (International Diabetes Federation) gehen zur Zeit weltweit von einer Schätzung von 150 Millionen Menschen mit Diabetes aus und prognostizieren eine Verdopplung im Jahr 2025.
Diabetes in Deutschland Richten wir unser Augenmerk jedoch auf Deutschland. Durch die im Jahre 1997 angepassten Richtwerte der WHO zur Diagnose von Diabetes ist die vermutete Zahl von Diabetikern erheblich angestiegen. Eine in Deutschland von 1993 bis 1996 durchgeführte Erhebung einer Studiengruppe (Palitzsch et al, Regensburg), bei der HbA1c Cholesterin, HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein), Blutdruck und der BMI (Body Mass Index) als Kriterien zur Diagnose von Diabetes herangezogen wurden, zeigt mit 8,2 Prozent einen bedeutend höheren prozentualen Anteil von manifestiertem, d.h. aufgetretenem Diabetes in der Bevölkerung an, als bisher angenommen wurde. Jedoch muss hier zwischen manifestiertem und diagnostiziertem, d.h. festgestelltem Diabetes unterschieden werden. Daraus folgt, dass von einer hohen Dunkelziffer nicht diagnostizierter Diabetesfälle ausgegangen werden muss. Von einer noch höheren Zahl “diabetesverdächtiger” Personen geht die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg aus. Eine im Jahr 1999 in Baden-Württemberg durchgeführte Blutzucker-Testaktion im “Zuckerbus” mit der Beteiligung von 5.443 “Nichtdiabetikern” ergab für 716 Testpersonen (16,3 Prozent) einen mäßig erhöhten Blutzuckerwert und für 204 der Testpersonen (4,7 Prozent) sogar ein stark erhöhtes Ergebnis.
Auch bei Kindern ist ein stetiger Anstieg zu verzeichnen. Eine 2001 veröffentlichte Übersicht (Arbeitsgruppe J. Rosenbauer et al) über die Zunahme von Typ 1-Diabetes bei Jugendlichen zeigt, dass die Altersgruppe unter 15 Jahren mit circa 80 bis 90 neuen Fällen pro 100.000 am stärksten betroffen ist. Beim Schwangerschaftsdiabetes (einer Form des Diabetes, die erst in der Schwangerschaft auftritt) sind mit 0,4 bis zu 6,7 Prozent sehr unterschiedliche statistische Zahlen von Betroffenen zu finden.
Statistische Zahlen zu Diabetes vermögen auch ganz andere Gesichtspunkte zu beleuchten wie z.B. Komplikationen, die im Zusammenhang mit Diabetes auftreten können. Zu den häufigsten Folgeerkrankungen zählen Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Niereninsuffizienz oder Fußamputationen. Hierzu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der statistischen Angaben. Zum Beispiel können Absolutzahlen anschaulicher die Tragweite von Sachverhalten vermitteln als Verhältniszahlen: Wenn z.B. von 25.000 Amputationen jährlich gesprochen wird, dann ist dies viel einprägsamer, als die Zahl “0,6 Prozent” zu hören.
Folgeerkrankungen und ihre Kosten Zusätzlich zu “Wohlbefinden und Lebensqualität” der Betroffenen nehmen die Kosten für Gesundheit in Politik und Öffentlichkeit einen besonderen Platz ein. Für den Typ 2-Diabetes ist eine Untersuchung zu den Kosten des Diabetes durchgeführt worden. Belgien, Deutschland, England, Frankreich, die Niederlande, Schweden und Spanien beteiligten sich an dieser CODE-2 Studie (Cost of Diabetes Type 2 in Europe), bei der die Kosten von circa 7.000 Patienten ausgewertet wurden. Danach haben die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland im Jahr 1998 18,5 Milliarden Mark ausgegeben, was acht Prozent aller Leistungen des Gesundheitswesens ausmacht. Die jährlichen Gesamtkosten werden pro Diabetes-Patient mit 5.238 Mark angegeben. Folgeerkrankungen sind somit nicht nur ein Schicksal für den Betroffenen, sie treiben auch die Kosten in die Höhe. Für Folgeerkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt belaufen sich die Kosten bereits auf 6.723 Mark. Bei gleichzeitiger Erkrankungen der großen und der kleinen Gefäße steigen diese auf über 11.000 Mark. Die Ausgaben verteilen sich dabei zu 50 Prozent auf Krankenhausaufenthalte, 27 Prozent entfallen auf Medikamente, 13 Prozent auf ärztliche Behandlung und sieben Prozent auf Arbeitsunfähigkeit. Auch deswegen richtet sich seit längerem das Augenmerk im Gesundheitswesen auf das sogenannte Deseasemanagement: Dieses umfassende Gesundheitsprogramm, das Gesetzgeber, Krankenkassen und Ärzteschaft gemeinsam entwickeln, soll die Behandlungsqualität gerade bei Menschen mit chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes verbessern. Wichtige Merkmale sind, dass Ärzte die Patienten nach wissenschaftlich anerkannten Leitlinien behandeln. Zudem soll das Patientenwissen und -engagement sowie die Mitarbeit des Patienten durch Schulungen und andere Angebote gefördert werden. Damit könnten die zuvor beschriebenen Kosten eingeschränkt und gleichzeitig die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden.
Statistik hilft bei der Optimierung von Produkten Nicht nur wissenschaftliche Forschungsgruppen und öffentliche Institutionen erheben statistisches Material zur Erkenntnisgewinnung im Gesundheitswesen. Auch die Industrieunternehmen führen Befragungen durch, um beispielsweise Informationen für die benutzergerechte Produktgestaltung zu erhalten. So hat LifeScan im vergangenen Jahr eine Anwenderbeobachtung mittels Fragebogen zur Anwendung des neuen Blutzuckermesssystems One Touch® Ultra® entwickelt, um zu erfahren, welche Qualitätskriterien der Blutzuckerselbstkontrolle der Patient anstrebt. Die Fragen waren unterteilt in allgemeine Fragen zur Person einschließlich der Therapieform und Häufigkeit der Blutzuckerselbstkontrolle, in Fragen zum neuen Blutzuckermesssystem und zur neuen Anwendungsform der Blutprobengewinnung am Arm, kurz AST (Alternative Site Testing) genannt. An der Fragebogenaktion beteiligten sich 49 Prozent Frauen, 42 Prozent Männer sowie neun Prozent Jugendliche (unter 19 Jahren). Die meisten Teilnehmer stammten aus der Altersgruppe der 42- bis 51-Jährigen. In hohem Maße hatten sich Diabetiker beteiligt, die mit Insulin behandelt werden (Abb. 2). Diese Therapieform bedingt eine häufigere Anzahl von Blutzuckerbestimmungen pro Tag, die dementsprechend bei 79 Prozent der Teilnehmer zwischen drei und sechs Messungen täglich lag.
Bei den Auswertungen der Fragen zu One Touch Ultra beurteilten 87 Prozent der Befragten die kurze Messzeit von 5 Sekunden als ein sehr wichtiges Kriterium eines modernen Blutzuckermessgeräts. Die Fragen zu den Eigenschaften und der Handhabung des One Touch Ultra waren für Mehrfachnennungen ausgelegt worden. Auch hier rangierte die kurze Messzeit wieder auf dem ersten Platz, gefolgt von der geringen Blutmenge von nur 1 Mikroliter (Abb. 3). Bei den Fragen zur alternativen Blutentnahme vom Arm begrüßten 90 Prozent der Teilnehmer diese als nahezu schmerzfreie Alternative zur gewöhnlichen Messung an der Fingerbeere (Abb. 4). Fazit der Anwenderbeobachtung: Aus den Ergebnissen spiegelt sich deutlich die Wunschvorstellung vieler Diabetiker nach einer schnellen Messmethode, die nur eine geringe Blutprobe erfordert und gleichzeitig der Verhornung der Fingerkuppe vorbeugt, wider. Hierdurch kann eine regelmäßige und der Therapieform angemessene Blutzuckerselbstkontrolle des Betroffenen gefördert und damit eine erfolgreiche Therapie unterstützt werden.
Statistische Zahlen bedeuten immer Durchschnittsergebnisse, das Einzelergebnis mag durchaus abweichen – die Statistik stellt dennoch ein gutes Werkzeug dar, um Tendenzen, Meinungen oder Prognosen für daraus abzuleitende Maßnahmen und Vorgehensweisen zu gewinnen. Für die beleuchteten Zahlen zum Diabetes gilt dementsprechend eindeutig der Eingangssatz als ernstzunehmende Botschaft: Prävention, die Vorbeugung, vermeidet Folgeerkrankungen.
Herzinfarkt durch Diabetes bei 25 Prozent der Männer und 40 Prozent der weiblichen Patienten
Schlaganfall 70 Prozent der Verstorbenen hatten Diabetes
Erblindung 4.000 durch Diabetes bedingte neue Fälle pro Jahr
Niereninsuffizienz 14.000 Betroffene müssen zur Dialyse
Amputationen 25.000 diabetesbedingte Amputationen jährlich
ZWEITE AUSGABE 2002 
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