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Titelthema / Diabetes+Reisen

ZWEITE AUSGABE 2002

Anpassung der Insulintherapie auf Fernreisen:

Reisen mit Zeitverschiebung – Möglichkeiten der Dosisanpassung

Sommerzeit – Reisezeit! Wer möchte nicht in ferne Länder verreisen, die Naturschönheiten der Karibik erleben, asiatische Länder besuchen oder die Kunstschätze der Azteken in Mittelamerika sehen? Viele Menschen mit Diabetes sind unsicher, ob sie aufgrund ihrer Erkrankung überhaupt solche Fernreisen unternehmen können: Gerät durch die in fernen Ländern anderen Essgewohnheiten die Stabilität des Diabetes durcheinander, sind Reisen über mehrere Zeitzonen überhaupt durchführbar? Aufgrund der modernen Diabetestherapie bestehen heute keine zwingenden Gründe mehr, auf Fernreisen zu verzichten. In unserem Beitrag möchten wir Ihnen Tipps geben, was Sie bei einer Fernreise mit Zeitverschiebung beachten müssen.

Patentlösungen gibt es nicht – häufige Blutzuckerselbstkontrollen geben Ihnen Aufschluss über Ihre Blutzuckereinstellung
Patentlösungen gibt es leider keine, gerade deshalb sind häufige Blutzuckerselbstkontrollen unerlässlich. Testen Sie Ihren Blutzucker während des Fluges immer dann, wenn Sie das Gefühl haben, dass es in diesem Moment notwendig ist, spätestens jedoch alle vier Stunden. Denken Sie auch daran, die gemessenen Werte zu dokumentieren. Berücksichtigen Sie bei den Überlegungen zur Anpassung der Insulindosis, dass man sich während eines Langzeitfluges meist weniger als üblich bewegt. Trotzdem sollten Sie zur Sicherheit Zwischenmahlzeiten und auch Mittel zur Bekämpfung von Unterzuckerungen wie beispielsweise zuckerhaltige Cola, Brause, Säfte, Traubenzucker oder Ähnliches griffbereit haben.

Unerlässlich und hilfreich: die Beratung mit dem betreuenden Diabetesarzt und dem Schulungsteam
Bevor Sie auf eine große Reise gehen, besprechen Sie mit Ihrem betreuenden Diabetesarzt und dem Schulungsteam die Anpassungsmöglichkeiten von Insulin beziehungsweise Ihren blutzuckersenkenden Tabletten. Beide kennen Sie und Ihr Behandlungsschema am besten und stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite. Falls angebracht, können Sie eine strukturierte Gruppenschulung wiederholen. Im Folgenden geben wir Ihnen einige Beispiele zur Anpassung der blutzuckersenkenden Tabletten beziehungsweise der Insulindosis, die Ihre Überlegungen unterstützen sollen.

Allgemeine Empfehlung bei Behandlung mit blutzuckersenkenden Tabletten
Nehmen Sie am Abflugtag die Tabletten wie gewohnt ein und essen Sie wie üblich. Wenn Ihre
Reise in Richtung Westen führt, bedingt das eine Verlängerung des Tages, wodurch sich ein Mehrbedarf an Tabletten ergibt. Die zweite Tagesdosis kann um ein Viertel bis die Hälfte der üblichen Menge erhöht werden. Am Zielort angekommen, sind die nächsten Tabletten nach neuer Ortszeit wie gewohnt einzunehmen.

Bei einem Flug in Richtung Osten verkürzt sich der Tag beziehungsweise die Nacht und der Bedarf an blutzuckersenkenden Tabletten ist geringer. Hier ist die zweite Tagesdosis um ein Viertel oder die Hälfte zu verringern. Die folgende Dosis Tabletten ist wie gewohnt nach neuer Ortszeit einzunehmen.

Allgemeine Empfehlung bei konventioneller Insulintherapie (feste Insulinmischung)
Ein Flug nach Westen verlängert den Tag. Wenn Ihre Reise in Richtung Westen führt, spritzen Sie vor dem Abflug die gewohnte Dosis Ihres Mischinsulins und essen möglichst die üblichen Kohlenhydratmengen, um einer Unterzuckerung vorzubeugen. Durch die Tageszeitverlängerung haben Sie einen erhöhten Insulinbedarf. Eine Dosiskorrektur sollte hier idealerweise mit einem Normalinsulin oder einem rasch wirksamen Insulinanalogon (z.B. ”Humalog” oder ”NovoRapid”) erfolgen. So kann der Diabetes am günstigsten gesteuert werden. Dabei ist zu beachten, dass die erste Dosiskorrektur mit Normalinsulin frühestens vier Stunden, die Dosiskorrektur mit schnellwirkenden Insulinanaloga frühestens zwei Stunden nach der letzten Insulininjektion erfolgen kann. Am Zielort können Sie dann je nach aktuellem Blutzuckerwert in der Regel die übliche Dosis des Mischinsulins spritzen und wie gewohnt essen.

Ein Flug nach Osten verkürzt den Tag
Anders bei Flügen in Richtung Osten: Hierbei verkürzt sich der Tag oder die Nacht, so dass schon vor Abflug die Insulinmenge reduziert werden muss. Dabei spritzen Sie abends während des Fluges die gewohnte Menge des Mischinsulins und essen die entsprechend vorgegebene BE-Menge. Die Morgendosis ist nun um ungefähr ein Viertel beziehungsweise ein Drittel der gewohnten Menge zu reduzieren. Bei kürzeren Flügen mit maximal fünf Stunden Zeitverschiebung kann man auch alternativ schon die Insulinmenge der Abenddosis reduzieren.

Allgemeine Empfehlung bei intensivierter Insulintherapie
Wenn Sie die Reise in Richtung Westen führt, spritzen Sie morgens vor dem Abflug die übliche Menge Basalinsulin. Die Dosis von Normalinsulin berechnen Sie nach den üblichen Regeln und spritzen diese Menge. Die Verlängerung des Tages ergibt einen zusätzlichen Insulinbedarf, der durch ein bis zwei Injektionen von Normalinsulin während des Fluges ausgeglichen werden kann. Die letzte Basalinjektion erfolgt in der üblichen Dosierung am Zielort. Am nächsten Morgen sollte das übliche Spritzschema wieder angewendet werden.

Bei Flügen in Richtung Osten injizieren Sie am Abend die gewohnte Menge an Basalinsulin. Die Normalinsulindosis zu den Mahlzeiten während des Fluges berechnen Sie wieder nach den individuellen Regeln. Die Zeitverschiebung – die Verkürzung der Nacht – ergibt einen geringeren Bedarf an Basalinsulin am nächsten Morgen. Bei kürzeren Flügen kann man alternativ dazu die Abenddosis an Basalinsulin reduzieren.

Überlegungen zur Dosisanpassung bei Insulinpumpentherapie
Hier ist die Dosisanpassung am einfachsten, da der Blutzuckerverlauf grundsätz-lich mit Normalinsulin gesteuert wird. Insofern empfehlen sich sowohl bei Reisen nach Westen als auch nach Osten häufige Blutzuckerkontrollen und Korrekturen des Blutzuckers nach den üblichen Regeln. Die Bolusgaben erfolgen sowieso nur zum Essen. Eine Dosiskorrektur sollte nach den oben angegebenen Zeiten erfolgen.

Mit unseren Tipps und Ihren sorgfältigen Reisevorbereitungen kann Ihnen wegen des Diabetes eigentlich nichts mehr passieren. Wir wünschen bon voyage!

Kontakt
Dr. med. K. Funke
Diabetologe DDG

Schwester Gisela Müller
Diabetesberaterin DDG

Gesundheitszentrum Potsdam GmbH
Hebbelstraße 1 A, 14467 Potsdam

Beispiel: Flug Richtung Westen bei intensivierter Insulintherapie (Frankfurt – San Francisco)
Übliche Dosierung: 48 IE Normalinsulin/24h
40 IE Basal (NPH)-Insulin/24h
   
Morgens vor dem Flug: 20 IE Normalsinsulin
20 IE Basal (NPH)-Insulin
   
10.00 Uhr MEZ : Abflug
   
14.00 Uhr MEZ: 1. Zwischenmahlzeit: 12 IE Normalinsulin
(berechnet nach aktuellem Blutzucker, BE-Faktor und Korrekturfaktor)
   
20.00 Uhr MEZ: 2. Mahlzeit: 16 IE Normalinsulin
(berechnet nach aktuellem Blutzucker, BE-Faktor und Korrekturfaktor)
   
22.00 Uhr MEZ = 16.00 Uhr OZ: Landung/Ankunft am Zielort
   
19.00 Uhr OZ : Abendbrot: 16 IE Normalinsulin
(berechnet nach aktuellem Blutzucker, BE-Faktor und Korrekturfaktor)
   
21.00 Uhr OZ: Bettruhe: 20 IE Basal(NPH)-Insulin

Beispiel: Flug Richtung Osten bei intensivierter Insulintherapie (San Francisco – Frankfurt)
Übliche Dosierung: 48 IE Normalinsulin/24h
40 IE Basal (NPH)-Insulin/24h
   
Morgens: 20 IE Normalinsulin
(berechnet nach aktuellem Blutzucker, BE-Faktor und Korrekturfaktor)
20 IE Basal (NPH)-Insulin
   
Mittags: 16 IE Normalinsulin
(berechnet nach aktuellem Blutzucker, BE-Faktor und Korrekturfaktor)
   
16.00 Uhr OZ: Abflug
   
20.00 Uhr OZ: 1. Zwischenmahlzeit: 12 IE Normalinsulin
(berechnet nach aktuellem Blutzucker, BE-Faktor und Korrekturfaktor)
10 IE Basal (NPH)-Insulin
   
06.00 Uhr OZ: 2. Mahlzeit: 16 IE Normalinsulin
(berechnet nach aktuellem Blutzucker, BE-Faktor und Korrekturfaktor)
   
08.00 Uhr MEZ:
Frühstück:
Ankunft
16 IE Normalinsulin (berechnet nach aktuellem BE-Faktor und Korrekturfaktor)
20 IE Basal (NPH)-Insulin

ZWEITE AUSGABE 2002

Zweite Ausgabe 2002

Titelthema / Diabetes+Reisen
Reisen mit Diabetes

Titelthema / Diabetes+Reisen
Anpassung der Insulintherapie auf Fernreisen

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Das Geheimnis der Mittelmeerküche Italiens: Lecker und gesund

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Behandlungsstrategien für Diabetes mellitus

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