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Diabetes+Reisen / Titelthema
ZWEITE AUSGABE 2002

Reisen mit Diabetes
Urlaub – das sind für uns meist die schönsten Wochen des
Jahres. Endlich raus aus dem stressigen Alltag, mal was Neues kennen lernen und
erleben. Was Sie trotz aller Urlaubsvorfreude bei Ihren Reisevorbereitungen berücksichtigen
müssen und was Sie als Urlauber mit Diabetes zusätzlich beachten sollten, möchten
wir Ihnen als kleine Tipps mit auf den Weg geben.
Urlaubsvorbereitungen Es gibt viele wichtige Dinge, die vor Reisebeginn erledigt werden müssen. Machen Sie sich am besten eine Reise-Checkliste:
- Personalausweis/Reisepass
- Krankenschein/Auslandskrankenschein
- eventuell private Reisekrankenversicherung
- Reiseapotheke
- Impfungen/Impfpass
- Urlaubsdokumente (Flugschein, Devisen etc.)
- Reise- und Gepäckversicherung
- Versorgung der Blumen, Haustiere usw. abklären
Kontrollieren Sie kurz vor der Abreise, ob Sie wirklich alles erledigt haben, das schützt Sie vor “bösen” Überraschungen.
Ihre Reiseapotheke Ihre Reiseapotheke sollte, neben den allgemeinen erste Hilfe-Mitteln (Pflaster, Desinfektionsmittel, sterile Mullbinden) alle Medikamente enthalten, die Sie für die Dauer Ihres Urlaubes benötigen. Das sind vor allem die Medikamente, die Sie täglich zu Hause einnehmen. Außerdem sollten Sie sich weitere Medikamente zur Behandlung kleinerer Erkrankungen im Urlaub mitnehmen (siehe Aufzählung). Bedenken Sie immer, dass es unter Umständen in Ihrem Urlaubsland schwierig sein kann, bestimmte Medikamente zu besorgen.
Allgemeine Reiseapotheke:
- eigene Medikamente
- Schmerzmittel/Fiebermittel
- Medikamente gegen Durchfall und Verstopfung
- Mittel gegen Erbrechen
- Fieberthermometer
- Pflaster, Mullbinden
- Desinfektionsmittel
- Schere, Pinzette
Allen Medikamenten, die Sie mitnehmen, sollte der Beipackzettel mit dem entsprechenden Wirkstoff beiliegen, damit man im Bedarfsfall auch im Ausland das richtige Präparat erhält.
Die spezielle Reiseapotheke Als Diabetiker benötigen Sie noch zusätzliche Dinge in Ihrer Reiseapotheke. Diese spezielle Diabetiker-Reiseapotheke sollten Sie immer im Handgepäck mit sich führen. Denken Sie daran, dass Ihr Insulin oder Ihre blutzuckersenkenden Tabletten unter Umständen lebensnotwendig für Sie sind.
Außerdem sind Sie so auch für unvorhersehbare Störungen auf Ihrer Reise stets gut gerüstet, wie z.B. während Flugverspätungen. Was in diese spezielle Reiseapotheke gehört, finden Sie in folgender Aufzählung:
Spezielle Reiseapotheke für Diabetiker:
- blutzuckersenkende Tabletten
- Insulin
- Insulinpen oder Insulinspritzen
- Nadeln
- Blutzuckermessgerät mit Teststreifen
- Stechhilfe mit Lanzetten
- Ketonteststreifen
- Traubenzucker, eventuell Glukagon
- Diabetikertagebuch
- Diabetiker-Ausweis (am besten in Landessprache)
Achten Sie darauf, dass Sie ausreichend Insulin, aber auch Testreifen mitnehmen: Durch die Aktivitäten, die Ihr Urlaub mit sich bringt, ist es meist notwendig, auch zwischendurch den Blutzucker zu testen.
Reiseproviant Es bietet sich bei längeren Reisen immer an, kleine Zwischenmahlzeiten als Ergänzung zu den Hauptmahlzeiten oder als Bordverpflegung mitzunehmen. Dadurch können Sie Blutzuckerschwankungen durch unregelmäßige Essenszeiten verhindern. Wenn Sie möchten, fragen Sie Ihre Fluggesellschaft nach den Diabetiker-Menüs. Gut geschulte Diabetiker können auch das normale Essen an Bord verzehren. Lassen Sie sich aber nicht von dem oft überreichen Angebot verführen! Trinken Sie genügend, verzichten Sie dabei auf Alkohol. Sollten Sie mit dem Auto unterwegs sein, denken Sie an regelmäßige Pausen, in denen Sie auch etwas essen sollten.
Insulinlagerung am Urlaubsort. Egal, wohin Sie ihren Urlaub geplant haben – ob in den sonnigen Süden oder in den Tiefschnee der Alpen –, die Aufbewahrung der Diabetiker-Utensilien, und hierbei speziell des Insulins, gehört in Ihre Hände. Befürchtungen, dass das Insulin sofort Schaden davon trägt, wenn die Lagertemperatur nicht peinlich genau eingehalten wird, kann man in den meisten Fällen zerstreuen.
Zwar sollten die Insulinpatronen, die man als Vorrat dabei hat, bei einer Temperatur von circa 2°C bis 8° C gelagert werden. Sich deshalb einen Kühlschrank zu beschaffen, ist nicht notwendig. Man kann das Insulin, geschützt vor direkter Sonne, auch längere Zeit außerhalb des Kühlschrankes aufbewahren und aufbrauchen. Bedenken Sie diesbezüglich: Angefangene Ampullen können Sie ja auch ohne zusätzliche Kühlung verbrauchen! Achten Sie nur darauf, dass Ihr Insulin nicht Temperaturen über 37 °C, direkter Sonne oder Frost ausgesetzt ist.
Für den Fall, dass Ihnen Ihr Insulin trotzdem unwirksam erscheint, wenn es beispielsweise schlierig oder trüb aussieht, sollten Sie sich vor Reiseantritt bei Ihrem Arzt erkundigen, wie Ihr Insulin im entsprechenden Land heißt. Oft sind die Handelsnamen in den verschiedenen Ländern unterschiedlich.
Bei kurzzeitigen Ausflügen, bei denen extreme Temperaturen zu erwarten sind, können Sie Ihr Insulin schützen, indem Sie es in einer Thermoskanne oder in einer speziellen Isoliertasche aufbewahren. Bei extremer Kälte können Sie den Insulinpen auch dicht am Körper tragen, damit die Kälte dem Insulin nichts anhaben kann.
Blutzuckerselbstkontrolle Wann und wie oft Sie Ihren Blutzucker bestimmen sollten, ist in erster Linie durch Ihre Diabetestherapie festgelegt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die empfohlene Häufigkeit der Blutzuckerselbstkontrollen. Darüber hinaus kann es aber gerade im Urlaub notwendig sein, den Blutzucker auch zwischendurch, das heißt öfter als im Alltag zu testen. Eine ungewohnte Mahlzeit oder Ausflüge können Aktivitäten sein, die eine zusätzliche Kontrolle erfordern. Diese gibt Ihnen Sicherheit, indem sie Sie vor Blutzuckerentgleisungen warnt. Die dafür notwendigen Teststreifen sollte Ihnen Ihr Arzt vor Antritt der Reise zusätzlich verschreiben, bitten Sie ihn darum!
Achten Sie auch hier auf die richtige Handhabung und Lagerung der Teststreifen. Sie sollten immer in ihrer Originalverpackung, geschützt vor Hitze, Kälte und Feuchtigkeit aufbewahrt werden. Durch unsachgemäße Aufbewahrung und Verwendung können Fehlmessungen und somit Fehlentscheidungen bei der Therapieanpassung entstehen!
Essen in fremden Ländern Damit Sie die kulinarischen Genüsse Ihres Urlaubslandes auskosten können, sollten Sie sich schon vor Antritt der Reise über landestypische Speisen und Getränke informieren. Lassen Sie sich die Zusammensetzung der Speisen erklären, damit Sie bei der Berechnung der Kohlenhydrate keine allzu großen Abweichungen haben. Vielleicht kochen Sie auch schon mal zu Hause ein Nationalgericht ihres Urlaubsziels. Damit holen Sie sich schon mal Ferienstimmung ins Haus und können gleichzeitig die Berechnung der BEs üben. Bei der Berechnung der Speisen und Getränke helfen aber auch spezielle Reiseführer oder Nährwert-tabellen. Sprechen Sie mit anderen Betroffenen, die schon mal in Ihrem Reiseland waren – so ein Erfahrungsaustausch ist nicht nur lehrreich, er kann auch die Vorfreude noch steigern.
Was tun, wenn doch mal der Bauch zwickt ... Ungewohnte Speisen und Getränke können manchmal auch die schönsten Urlaubsfreuden verderben; nämlich dann, wenn Durchfall oder Erbrechen die Folge sind. Dies sind neben Fieber mit Abstand die häufigsten Erkrankungen, die man in fremden Ländern erleiden kann. Vorbeugen kann man ihnen, indem man vor allem darauf achtet, keine rohen Speisen, besonders keinen rohen Fisch, Fleisch oder ähnliches zu essen, nur abgewaschenes Gemüse und Obst zu sich nimmt und beim Trinken auf Leitungswasser verzichtet.
Dennoch kann es zum Reisedurchfall kommen und gerade als Diabetiker müssen Sie dann wissen, was zu tun ist. Alte Hausrezepte, wie Salzgebäck und Cola bei Erbrechen, kann man genauso anwenden wie mitgebrachte Medikamente gegen Durchfall. Trinken Sie in solchen Fällen ausreichend, eine Prise Salz im Getränk hilft den Elektrolythaushalt aufzufüllen. Halten Sie vorübergehend z.B. mit Zwieback Diät und gehen Sie unbedingt zum Arzt, wenn die Beschwerden nach ein bis zwei Tagen nicht nachlassen. Testen Sie häufiger Ihren Blutzucker und passen Sie Ihr Insulin den Werten entsprechend an.
Schon vor Reiseantritt sollten Sie sich über die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten im Land erkundigen, damit im Notfall kein Zeitverlust durch Sprachbarrieren oder Ähnliches entsteht. In der Regel geben die Reiseveranstalter Hinweise hierzu. Es empfiehlt sich, seinen Diabetiker-Ausweis in der Landessprache mitzunehmen, ein kleines Wörterbuch hilft bei der Formulierung oder Übersetzung in Gesprächen mit ausländischen Ärzten.
Fazit: Viel Spaß im Urlaub auch mit Diabetes “Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben” – unter diesem Motto sollten auch Sie Ihre Reisevorbereitungen treffen. Vorbeugen ist immer besser als im Falle des Falles notdürftig reagieren zu müssen. Lassen Sie sich etwas Zeit für Ihre Reisevorbereitungen, damit Sie bereits diese ohne Aufregung und Stress durchführen können. Danach ist es ganz einfach, während der Urlaubswochen völlig zu entspannen. Genießen Sie die freie Zeit, machen Sie Ihren Urlaub zu einem interessanten Erlebnis, zu einem Höhepunkt des Jahres. Wir wünschen Ihnen viel Spaß und gute Reise!
Kontakt Heike Siebert Antje Lekl Diabetesberaterinnen DDG Diabetesberatung am Stadtkrankenhaus Städt. Klinikum St.Georg Leipzig Friesenstraße 8 04177 Leipzig
Insulin kann etwa vier Wochen verwendet werden, wenn es maximalen Temperaturen von 25 °C ausgesetzt wird. Transportbedingungen*: Höchstens einen Tag Außentemperaturen von bis zu 40 °C, höchstens drei Tage Außentemperaturen von 0 °C bis 5 °C aussetzen.
Blutzuckerselbstkontrolle Hitze, Kälte, Feuchtigkeit und Licht sind Faktoren, die das Testergebnis beeinflussen oder eine Funktionsstörung des Messgeräts auslösen können. Den speziellen Temperaturbereich der einzelnen Geräte entnehmen Sie dem jeweiligen Benutzerhandbuch.
Handhabung Teststreifen und Gerät:
- Um Teststreifen vor Kondenswasserbildung zu schützen, sollten Sie bei kalten Temperaturen das Teststreifenröhrchen vor der Blutzuckermessung in der Hand anwärmen, um eine Anpassung an die Umgebungstemperatur zu erzielen.
- Die Kapazität der Messgeräte-Batterien ist bei niedrigen Temperaturen viel geringer als üblich, so dass unter Umständen das Batteriesymbol trotz neuer Batterien im Display angezeigt wird.
- Bei Reisen in die Tropen, wo eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, sollte für Gerät und Teststreifen ein Trockenmedium verwendet werden, das die Luftfeuchtigkeit aufnimmt (z.B. Silikatbeutel).
- Bei kalten Temperaturen empfiehlt sich zur Regulierung ein Gelkissen, das vorher erwärmt wird.
- Auch das Display des Blutzuckermessgerätes kann bei Temperaturen um 0 °C den Dienst versagen, da hier Flüssigkeitskristalle enthalten sind, die an den vorgegebenen Temperaturbereich gebunden sind.
- Durch das erwärmte Gelkissen können große Temperaturschwankungen ausgeglichen werden.
- Für Reisen in extrem kalte oder warme Gebiete werden auch spezielle Aufbewahrungstaschen für das Blutzuckermessgerät, die Teststreifen sowie den Insulinpen angeboten, die für entsprechenden Schutz sorgen.
ZWEITE AUSGABE 2002 
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