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ZUCKER

Therapie | Vorsorge

ERSTE AUSGABE 2002

Achten Sie auf Ihre Zähne . . .

… damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können!

Da Menschen mit Diabetes mit ihrer ausgewogenen und gesunden Ernährung fast keinen Zucker und sehr wenig Süßes essen, müsste man annehmen, die Zähne von Diabetikern seien besser als die von Nicht-Diabetikern. Leider ist das Gegenteil der Fall. Diabetiker haben genauso viel Karies wie Menschen ohne Diabetes, aber viel häufiger Entzündungen des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates und damit ein 15-fach erhöhtes Risiko, ihre Zähne zu verlieren. Immer wiederkehrende Entzündungen im Mundbereich erhöhen darüber hinaus das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

Erhöhte Blutzuckerwerte führen auch zu einer höheren Glukose-Konzentration im Speichel und beeinträchtigen so die Mundgesundheit
Es sind mehrere Faktoren, die bei Menschen mit Diabetes die Mundgesundheit stören. Sind die Blutzuckerwerte erhöht, ist der Speichel süßer als bei Menschen, die keinen Diabetes haben, denn die Zuckerkonzentration im Speichel entspricht der im Blut. Auch wenn Diabetiker keinen Zucker und keine Süßigkeiten essen würden, so hätten sie selbst in diesem Fall dauernd Zucker im Mund und an den Zähnen - die erhöhte Speichelkonzentration führt so zu einer erhöhten Kariesanfälligkeit. Ist die Blutzuckereinstellung nicht nahe dem Normalbereich, sind Diabetes-Patienten anfälliger für Entzündungen jeder Art, so dass sich Krankheitskeime im Zahnfleisch leichter einnisten können. Das Zahnfleisch erkrankt und bildet tiefe Taschen, in denen sich die Bakterien ungestört vermehren können. Diese Taschenbildung tut nicht weh und wird deswegen oft nicht wahrgenommen.

Sorgfältige Mundhygiene wirkt Entzündungen und einer Schädigung des Zahnhalteapparates entgegen
Weiterhin werden die kollagenen Fasern, die das Bindegewebe bilden, bei einem höheren Blutzucker genauso verzuckert wie das HbA1c. Eine schlechte Stoffwechsellage heißt also, dass die Fasern des Zahnhalteapparates durch die Verzuckerung brüchiger werden und abreißen. Die Zähne verlieren somit ihren Halt. Durch eine gute Mundhygiene können diese Prozesse aufgehalten werden.

Normalerweise überzieht der Speichel Zähne und Zahnfleisch mit einer dünnen Schicht, die vor allem während der Nacht, wenn der Speichelfluss gehemmt ist, zu einem dünnen Häutchen, dem Pellicle, eintrocknen kann. Dieses Pellicle ist die Grundlage der Plaques, denn auf dem Pellicle können die Bakterien haften und so die Plaques bilden. Die Bakterien in den Plaques wandeln Zucker in Säuren um und ätzen so Löcher in den Zahnschmelz. Diesen Vorgang nennt man Karies.

Die Plaques sind zunächst weich und lassen sich beim Zähneputzen leicht entfernen. Innerhalb von 48 Stunden jedoch lagern die Plaques Mineralien aus dem Speichel ein und werden hart. Harte Plaques an den Zähnen nennt man Zahnstein. Der Zahnstein lässt sich nun nicht mehr mit der Zahnbürste entfernen - jetzt muss der Zahnarzt an die Arbeit. Zahnstein kann sich auch in den Zahnfleischtaschen ablagern, dies ergibt sogenannte Konkremente. Konkremente in den Zahnfleischtaschen reizen das Zahnfleisch noch mehr, die Entzündung schreitet fort, die Zahnfleischtasche wird immer tiefer.

Plaques sind also die anfänglichen Ursachen für Karies und Parodontopathie. Beide Krankheiten können nur da entstehen, wo Plaques stehen geblieben sind. Deswegen müssen die Plaques regelmäßig entfernt werden, und zwar bevor sie hart werden. Besonders wichtig ist das morgendliche Zähneputzen, um die Bakterien, die in der Nacht das Pellicle besiedelt haben, zu entfernen. Dies verbessert auch den Geruch des Atems. Es ist klar, dass die Plaques nicht nur vorne auf den Zähnen entfernt werden müssen, sondern hierfür auch die Rück- und Oberseiten der Zähne sowie die Zahnzwischenräume gereinigt werden müssen.

Auch auf die richtige Zahnputztechnik und das Zubehör kommt es an
Eine Zone ist bei der täglichen Mundhygiene immer problematisch, weil man dort mit der normalen Zahnbürste nicht hinkommt: die Zahnzwischenräume. Zur Reinigung nimmt man hier am besten ungewachste Zahnseide, und zwar jeden zweiten Tag, damit sich zwischen den Zähnen kein Zahnstein ablagern kann. Trotzdem wird sich auch bei der besten Mundhygiene in unzugänglichen Ecken Zahnstein ablagern, der beim regelmäßigen Zahnarztbesuch entfernt werden muss.

In die Zahnfleischtaschen kommt man mit der Zahnbürste ebenfalls nicht. Auch dies ist ein Fall für den Zahnarzt. Wenn sich das Zahnfleisch schon ein wenig zurückgezogen hat, liegen die Zahnhälse frei, was oftmals auch der Grund für eine Wärme- und Kälteempfindlichkeit der Zähne ist. Die Zahnhälse sind nicht mit Zahnschmelz überzogen, sondern bestehen aus Dentin (Zahnbein) und Zement. Dentin ist viel weicher als Zahnschmelz und kann durch starkes Schrubben mit einer harten Bürste beschädigt werden. Man putzt sozusagen ein Loch in den Zahn. Solche Keildefekte treten bei etwa jedem dritten Diabetiker auf. Lassen Sie sich also von Ihrem Zahnarzt die richtige Putztechnik zeigen und verwenden Sie eine mittelharte - und keine harte! - Zahnbürste mit einem kurzen Kopf sowie keine aggressiven Zahncremes. Am einfachsten zu handhaben sind elektrische Zahnbürsten. Aber auch hier ist die Putztechnik entscheidend.

Völlig ungeeignet für Menschen mit Diabetes sind Mundduschen. Zum einen ersetzen Mundduschen auf keinen Fall die Zahnbürste, da durch das Spülen allein die Plaques nicht entfernt werden. Zum anderen können bei einer bestehenden Entzündung der Zahnfleischtaschen die Bakterien durch den scharfen Wasserstrahl ins Blut gespült werden. Dies kann ernste Konsequenzen bis hin zur Blutvergiftung haben. Medizinische Mundspüllösungen hingegen sind als Ergänzung zum täglichen Zähneputzen sinnvoll.

Sollte es beim Putzen bluten, so ist dies ein ernstes Warnzeichen. Zahnfleischbluten deutet immer auf eine Entzündung des Zahnfleisches hin und meistens steckt eine Infektion dahinter. Jetzt darf das Zähneputzen auf keinen Fall ausfallen. Nehmen Sie eine neue Zahnbürste - die alte kann bakterienverseucht sein - und vereinbaren Sie baldmöglichst einen Zahnarzttermin.

Kontakt
Dr. med. Friederike Bischof
Dr. med. dent. Armin Buresch
Untere Bergstraße 24
89129 Langenau

Das kommt Ihrer Mundgesundheit zu Gute:

  • Achten Sie auf eine gute Stoffwechseleinstellung, damit der Blutzucker nicht in den Speichel übergeht und Karies verursacht
  • Putzen Sie morgens und abends Ihre Zähne jeweils mindestens drei Minuten lang, besser nach jeder Mahlzeit. Wenn das nicht möglich ist, spülen Sie zumindest den Mund gründlich aus oder verwenden Sie zuckerfreie Kaugummis, um den Speichelfluss anzuregen
  • Achten Sie auf die richtige Putztechnik. Vermeiden Sie Schrubben an den Zahnhälsen
  • Verwenden Sie eine mittelharte Zahnbürste mit einem kurzem Kopf (multitufted) oder eine elektrische Zahnbürste
  • Tauschen Sie Ihre Zahnbürste regelmäßig aus (alle sechs Wochen, bei Parodontitis alle zwei Wochen)
  • Verwenden Sie ungewachste Zahnseide jeden zweiten Tag, um auch die Zahnzwischenräume sauber zu bekommen
  • Verwenden Sie keine Mundduschen - sie könnten Keime in Ihr Blut spülen
  • Bei Zahnfleischbluten gehen Sie sofort zum Zahnarzt und intensivieren Sie Ihre Zahnpflege
  • Sagen Sie Ihrem Zahnarzt, dass Sie Diabetes haben
  • Gehen Sie mindestens zweimal jährlich zur Kontrolluntersuchung zum Zahnarzt; wechseln Sie Ihren Zahnarzt, falls er sagt, man könne nichts gegen die Zahnfleischerkrankung unternehmen
  • Zeigen Sie Ihrem Zahnarzt Ihre Zahnbürste und lassen Sie sich die richtige Putztechnik von ihm zeigen
  • Lassen Sie beim Zahnarzt eine professionelle Gebissreinigung mit Entfernung der Plaques durchführen, auch wenn die gesetzliche Krankenkasse diesen Service nicht bezahlt (dies kostet ungefähr so viel wie ein Friseurbesuch und sollte
    es Ihnen wert sein)

Der Aufbau eines Zahnes Der Aufbau eines Zahnes
Quelle: Frank H. Netter: Atlas der Anatomie des Menschen, Thieme Verlag Stuttgart New York, 1997

 


ERSTE AUSGABE 2002

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Achten Sie auf Ihre Zähne

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mit den Zeigefingern dirigieren
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Kontrolle derMundhygiene
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