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Essen+Trinken | Know-how
DRITTE
AUSGABE 2001  Mysterium Broteinheiten:
Wir bringen Licht ins Dunkel
‘„Frau
F., Sie haben Diabetes …“ Diese Worte klingen noch heute in meinem
Ohr. Mehr habe ich zunächst einmal nicht aufgefasst. Was bedeutet das für
mein Leben: Muss ich Insulin spritzen, alles Essen abwiegen, was genau sind
denn nun diese BE, kann ich ab jetzt nur noch „Diät“ kochen
und essen?’
Diese
Gedanken gehen vielen Betroffenen zu Beginn der Stoffwechselerkrankung Diabetes
durch den Kopf. Wir möchten Ihnen zeigen, was es mit dem Mysterium „BE“,
„KE“, oder „KHE“ auf sich hat, wer darüber Bescheid
wissen sollte und wie Sie alltagstauglich damit umgehen können.
Grundnährstoffe
Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate
Unsere Nahrungsmittel bestehen neben Wasser, Vitaminen und Mineralstoffen aus
den drei Hauptnährstoffen Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate. Alle diese
Nährstoffe benötigt unser Körper in einem ausgewogenen Verhältnis,
um gesund, fit und leistungsfähig zu sein.
Kohlenhydrate
sind unser Energielieferant
Kohlenhydrate liefern dem Körper schnell verfügbare Energie. Sie sind
deswegen besonders wichtig und sollten den Hauptbestandteil in unserer Ernährung
ausmachen. Kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen.
Menschen, die ihren Diabetes mit Insulin behandeln, müssen die gegessene
Kohlenhydratmenge und das gespritzte Insulin aufeinander abstimmen, um sowohl
zu hohe als auch zu
niedrige Blutzuckerwerte zu vermeiden.
Schätzeinheit
BE, KE oder KHE
Um den Umgang mit Kohlenhydraten zu erleichtern, dient uns als Schätzeinheit
die sogenannte „Broteinheit“ (BE) oder „Kohlenhydrateinheit“
(KE oder KHE). Darunter versteht man die Menge von 10 – 12 g Kohlenhydraten.
Kohlenhydratreiche
Nahrungsmittel erhöhen den Blutzucker
Nahrungsmittel, die reich an Kohlenhydraten sind, müssen deswegen als BE
berechnet
werden. Reichlich Kohlenhydrate sind in folgenden Nahrungsmitteln enthalten:
- Getreide und Produkte aus Getreide (wie Brot und Backwaren)
- Reis, Nudeln, Mais, Gries
- Kartoffeln, Kartoffelprodukte
- Obst
- Milch, Joghurt, Kefir, Buttermilch
- Zuckerstoffe (beispielsweise Fruchtzucker, Milchzucker und Malzzucker)
Um
Missverständnissen vorzubeugen: Nahrungsmittel die Stärke, Milchzucker
und Fruchtzucker enthalten, erhöhen zwar den Blutzuckerspiegel, sind aber
in unserem täglichen Essen unbedingt erwünscht. Gute Blutzuckerwerte
sollen nicht dadurch erreicht werden, indem man besonders sparsam mit diesen
Nahrungsmitteln umgeht. Sparsamer Umgang dagegen empfiehlt sich mit Haushaltszucker,
da dieser zu einer raschen Erhöhung des Blutzuckerspiegels führt.
Die
Diabetesbehandlung muss auf eine gesunde und kohlenhydratreiche Ernährung
abgestimmt sein. Eine gesunde, kohlenhydratreiche Ernährung bedeutet, den
Schwerpunkt auf stärkehaltige Produkte, jedoch nicht auf Zuckerstoffe zu
legen. Essen Sie gerne leckeres Obst, frisches Gemüse und knackigen Salat?
Fünf Portionen am Tag sind erwünscht und gesund!
Kohlenhydrathaltige
Nahrungsmittel, die den Blutzucker gering erhöhen
Kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel, die den Blutzucker geringfügig erhöhen,
müssen auch nur bedingt angerechnet werden. Dazu gehören wegen des
hohen Ballaststoffgehalts, der zu einem sehr langsamen Blutzuckeranstieg führt,
zum Beispiel
- Hülsenfrüchte, wie Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen oder Sojabohnen.
Als
Faustregel gilt hierbei: Erst wenn Sie mehr als einen bis zum Innenrand gefüllten
Suppenteller mit Hülsenfrüchten essen, berechnen Sie diese als blutzuckererhöhend.
Wegen des hohen Fettgehalts, der den Blutzuckeranstieg ebenfalls sehr verzögert,
müssen
- Nüsse, wie z.B. Haselnüsse, Mandeln, Erdnüsse, Walnüsse,
Paranüsse oder Kokosnuss
- Kerne und Samen, wie z.B. Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne oder Leinsamen
nicht berechnet werden. Als Faustregel gilt: eine Hand voll kann ohne Berechnung
verzehrt werden.
Kohlenhydratarme
Nahrungsmittel, die den Blutzucker nicht erhöhen
Nahrungsmittel, die einen sehr hohen Wassergehalt und einen geringen Kohlenhydratgehalt
haben, erhöhen den Blutzuckerspiegel nur unwesentlich und müssen nicht
als BE beziehungsweise KE oder KHE berechnet werden. Hierzu gehören:
- Gemüse, z.B. Karotten, Lauch, Broccoli, Fenchel, Spargel, Grünkohl,
Zucchini, Blumenkohl. Ausnahme: Mais, da dieser zu den Getreidearten gehört
und damit reich an Kohlenhydraten ist
- Pilze, wie z.B. Champignons, Pfifferlinge oder Steinpilze
- Salate, wie z.B. Gurken-, Tomaten-, Kopfsalat, Endiviensalat, Eisbergsalat,
Radicchio, Feldsalat, Kresse.
BE-Tabellen
erleichtern das Einschätzen des Kohlenhydratgehaltes
Woher wissen wir nun, wieviele Kohlenhydrate in einer Kartoffel, in einer Scheibe
Brot oder einem Pfirsich enthalten sind? Hier geben uns BE-Tabellen Hilfestellung.
Wir können zum Beispiel sehen, dass circa 125 g Pfirsich (1 mittelgroße
Frucht) etwa 1 BE entsprechen.
Am Anfang kann es hilfreich sein, die Nahrungsmittel abzuwiegen, um ein Gefühl
für Größen und Mengen zu bekommen. Wenn das Auge trainiert ist,
reicht es, die Menge abzuschätzen. Schließlich sind BE eine Schätzeinheit
und entsprechen keiner wissenschaftlichen Berechnung.
Ein Rezept aus meinem Lieblingskochbuch – alltagstauglich berechnet
Nein, Ihre Sorgen sind unbegründet: Sie müssen Ihr Lieblingskochbuch
nicht gegen „Diabetiker-Kochbücher“ eintauschen. Wir zeigen
Ihnen anhand eines leckeren Rezepts, wie Sie die BE berechnen können.
Beate Souranis,
Diabetesberaterin
DDG
Filetspitzen
aus der Pfanne mit hausgemachten Spätzle und frischem Salat
Filetspitzen mit Champignons: 750 g Schweinefilet / 4 Scheiben geräucherter
Bauchspeck / 50 g Bratfett / 2 feingeschnittene Schalotten (keine BE-Berechnung)
/ 150 g frische Champignons in Scheiben (keine BE-Berechnung) / Senf / Salz
/ Pfeffer / 1 EL Sauerrahm
Das Schweinefilet wird in feine Scheiben, der Bauchspeck in feine Streifen
geschnitten. Den Speck in der Pfanne glasig dünsten, die feingeschnittenen
Schalotten hinzufügen, danach die Filetscheiben dazu geben. Das Ganze bei
starker Hitze kurz anbraten lassen, so dass alles von beiden Seiten angebräunt
ist. Nun das Bratfett abgießen, Champignons, Senf, Salz, Pfeffer hinzufügen.
Zum Schluss mit etwas Bratensaft auffüllen und mit dem Sauerrahm abrunden.
Spätzle: 250 g Mehl (= 12,5 BE) / 2 Eier / 1 TL Salz / 1/8 l Wasser
/ zum Schmälzen 1 EL Butter, 1 EL Semmelbrösel (= 1 BE)
Aus den Zutaten einen zähen Teig schlagen, den man so lange mit dem Knethaken
oder Rührlöffel bearbeitet, bis er Blasen wirft. Nun gibt man einen
Teil des Teiges auf ein nasses Brett und schabt mit einem „Spatzenschaber“
oder einem langen breiten Messer dünne Streifen in das kochende Salzwasser
(Alternative: den Teig durch eine Spätzlepresse drücken). Solange
man die Spätzle ins Wasser schabt, muss dieses sprudelnd kochen. Sobald
die Spätzle wieder an die Oberfläche kommen, nimmt man sie mit einem
Schaumlöffel heraus, zieht sie durch frisches, heißes Salzwasser
und richtet sie nach dem Abtropfen auf einer warmen Platte an. Zuletzt
alles mit in Butter angerösteten Semmelbröseln abschmälzen.
Dazu schmeckt ein frischer grüner Blattsalat (keine BE-Berechnung).
Gesamt 13,5 BE (4 Personen) / Pro Person (= 3,375 BE)
Die Rezepte stammen aus „Kulinarische Streifzüge durch Schwaben“
von Frank Gerhard, S. 76 und 174, Sigloch Edition, ISBN 3-89393-0132
DRITTE AUSGABE 2001 
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